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20. August 2019

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Ludwig Migl

Heinz Zak

Dr. Inge Rötlich

Deltoton GmbH / Frankonia: Niemand weiß, wohin die Reise geht - und wie lange sie noch dauert.

07.06.11 – Schon lange wurde gemutmaßt, dass es mit den Geschäften der Deltoton GmbH (ehemals Frankoniawert AG) nicht zum Besten bestellt ist. Erstmals werden jetzt in der Presse konkretere Zahlen und Fakten genannt, die nichts Gutes erahnen lassen.

Schlechte Geschäfte und unzufriedene Anleger

Mittlerweile verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Beteiligungen an der Deltoton GmbH, in welcher die ehemalige Frankonia Direkt AG, die ehemalige Frankoniawert AG und die ehemalige Frankonia Sachwert AG zusammengefasst sind, am Ende für die Anleger zu einem Verlustfall werden oder es bereits sind. Neben einer Vielzahl von Schadensersatzprozessen getäuschter Anleger, die die Deltoton GmbH kostenmäßig belasten dürften, sind es vor allem die massiven Verluste, welche den Anlegern Sorge bereiten. In vielen Fällen sind diese Verluste bislang nur zu einem geringen Teil wieder ausgeglichen, was offensichtlich auch mit einer in Teilen von Erfolglosigkeit geprägten Investitionstätigkeit der Deltoton GmbH zusammenhängt. Nach Angaben des Handelsblattes haben gleich mehrere Unternehmen, in welche die Deltoton GmbH Anlegergelder investierte, zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet.

Verluste von 92 Millionen Euro und unhaltbare Zustände

Dass es der Deltoton GmbH gelingt, die Verluste, die nach Angaben des Handelsblattes allein bis zum Jahr 2006 rund 92 Millionen Euro betragen haben sollen, wieder auszugleichen, erscheint aus Sicht der Kanzlei Dr. Rötlich Rechtsanwälte aber eher unwahrscheinlich. Denn die Deltoton GmbH befindet sich nach eigenen Angaben auf Ihrer Homepage bereits „in der Auszahlungsphase für ihre Anleger“ und nimmt keine Anleger mehr auf. Anders verhält es sich, soweit es um Einzahlungen von Anlegern geht. Nach Angaben des Handelsblattes werden seitens der Deltoton GmbH noch immer Anlegergelder in beträchtlicher Höhe entgegen genommen. Ob diese Einzahlungen auch für Investitionen verwendet werden oder nur noch zur Bedienung beendeter Beteiligungen ausstiegswilliger Anleger herhalten müssen, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Kanzlei Dr. Rötlich Rechtsanwälte rät den betroffenen Anlegern dringend zur Klärung, welcher Verwendung die derzeitigen Einlagezahlungen zugeführt werden. Sollte sich heraus stellen, dass seitens der Deltoton GmbH die aktuellen Einzahlungen der Anleger zur Befriedigung fälliger Verträge verwendet werden, wäre dies aus Sicht der Kanzlei Dr. Rötlich Rechtsanwälte ein unhaltbarer Zustand, da die mit den Anlegern geschlossenen Verträge als Gesellschaftszweck und damit Verwendungszweck der Anlegergelder jedenfalls nicht die Befriedigung von ausgeschiedenen Mitgesellschaftern vorsehen.

Der Anfang vom Ende oder eine handfeste Krise?

In welcher wirtschaftlichen Situation sich die Deltoton GmbH aktuell befindet, ist selbst für Kenner der Materie nicht sicher abzuschätzen. Ein Blick auf die zuletzt veröffentlichten Bilanzen zeigt allein den enormen Schrumpfungsprozess, dem die Gesellschaft in den letzten Jahren ausgesetzt war. Aktuelle Bilanzzahlen (die letzte veröffentlichte Bilanz datiert auf den 31.12.2009) sind derzeit öffentlich nicht einsehbar und werden von der Deltoton GmbH mutmaßlich auch auf Nachfrage nicht bekannt gegeben. Ob sich die Deltoton GmbH also in einer Schieflage befindet oder einfach nur in einer plangemäßen Abwicklungsphase lässt sich ebenso wenig beantworten wie die weitere Frage, wie lange die Abwicklungsphase der Deltoton GmbH noch dauert.

Zum Ausstieg noch die Nachschusspflicht

Zahlreiche Anleger der Deltoton GmbH treiben derzeit allerdings andere Sorgen um: Die Deltoton GmbH fordert seit geraumer Zeit immer wieder ausgeschiedene Anleger zur Erbringung weiterer Zahlungen auf und scheut hierbei auch nicht den Weg zum Gericht. Aus Sicht der Kanzlei Dr. Rötlich Rechtsanwälte gibt es gute Möglichkeiten für die davon betroffenen Anleger, diese Nachschussforderungen erfolgreich abzuwehren. Den Betroffenen wird daher dringend geraten, diese Nachschusspflichten nicht klaglos hinzunehmen, sondern anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ansprechpartner: Rechtsanwältin Frau Meyer-Bradfisch

Deltoton GmbH / Frankonia: Müssen Anleger Nachschüsse leisten?

12.04.11 – Die Risiken einer atypisch stillen Gesellschaftsbeteiligung an der Deltoton GmbH (vormals Frankonia) manifestieren sich derzeit für diverse Gesellschafter in ausgesprochen unerfreulicher Weise: Durch ihren Rechtsbeistand lässt die Deltoton GmbH diverse Anleger zur Zahlung von sog. Nachschüssen auffordern.

Hintergrund der Zahlungsaufforderung

Der Zahlungsaufforderung vorausgegangen ist in aller Regel eine Zahlungseinstellung durch die Anleger, auf welche die Gesellschaften zunächst mit einer außerordentlichen Kündigung und anschließend mit einer Abrechnung der Beteiligungen (Mitteilung eines sog. Auseinandersetzungsguthabens) reagieren. Ergibt die Abrechnung der Beteiligung ein negatives Kapitalkonto und somit ein negatives Ergebnis, so bestehen die Gesellschaften auf den Ausgleich dieses Negativsaldos und fordern die betroffenen Gesellschafter zur Zahlung auf. Bleibt die Zahlung aus, scheut die Deltoton GmbH nicht die gerichtliche Durchsetzung ihrer vermeintlich berechtigten Forderungen.

Verwirklichung eines systembedingten Risikos?

Mag die Vorgehensweise der Deltoton GmbH in formeller Hinsicht auch durch die Regelungen in den jeweiligen Gesellschaftsverträgen gedeckt sein, so stellt sich gleichwohl die Frage, ob sich durch die Nachschussforderungen ein Risiko verwirklicht, welches zwar nicht für die Anleger, wohl aber auf Seiten der Deltoton GmbH von Anfang an oder jedenfalls doch frühzeitig abzusehen war. Für die Kanzlei Dr. Rötlich Rechtsanwälte bleiben in Bezug auf die Beteiligungsmodelle der Deltoton GmbH erhebliche Zweifel, deren gerichtliche Klärung alsbald erwartet wird.

Gute Chancen für die Anleger

Lassen sich systembedingte Schwächen im Anlagemodell gerichtlich feststellen und existiert ein Zusammenhang zur Nachschussforderung, bestehen für die Anleger gute Aussichten, sich gegen die Forderungen der Deltoton GmbH auf Zahlung sog. Nachschüsse erfolgreich zur Wehr zu setzen. Darüber hinaus bestehen im Einzelfall ggf. weitere rechtliche Argumentationsmöglichkeiten, die einer Nachschussforderung entgegen gesetzt werden können.

Die Kanzlei Dr. Rötlich Rechtsanwälte rät den Anlegern dringend, ihr Vertragsverhältnis anwaltlich überprüfen zu lassen. Sie sieht, je nach Fallgestaltung, für die Anleger sehr gute Chancen, nicht nur der Zahlungspflicht zu entgehen, sondern darüber hinaus auch noch Schadensersatzansprüche gegen die Gesellschaften geltend zu machen. Sie kann bereits zahlreiche Erfolge beim Ausstieg stiller Gesellschafter aus ihren riskanten Beteiligungen vorweisen.

Ansprechpartner: Rechtsanwaltin Frau Meyer-Bradfisch

Frankonia/ Deltoton: Bundesgerichtshof stärkt Anlegerrechte

05. März 2008 - Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem aktuellen Beschluss die Haftung der Futura Finanz AG wegen der Vermittlung einer Beteiligung an der Frankonia Sachwert AG bestätigt (Beschluss vom 28.11.2007, Az. III ZR 214/06).

In dieser Entscheidung beschäftigt sich der BGH erneut mit stillen Beteiligungen. Die Karlsruher Richter hatten bereits in früheren Entscheidungen die Rechte von Anlegern gestärkt, denen derartige Beteiligungen zu Anlagezwecken oder zur Altersvorsorge verkauft worden waren. Dabei ging es unter anderem um Beteiligungen an Gesellschaften der Göttinger Gruppe.

In der neuen Frankonia-Entscheidung bleibt das Gericht seiner bisherigen Linie treu und stellt sich auf die Seite der betroffenen Anlegerin. Damit bestätigt es die Urteile des Landgerichts Heilbronn und des Oberlandesgerichts Stuttgart, die der Klägerin bereits Recht gegeben hatten. Die Richter der Vorinstanzen sahen es als erwiesen an, dass die Anlegerin bei dem Erwerb der stillen Beteiligung an der Frankonia Sachwert AG unzureichend aufgeklärt wurde. Danach hat der Außendienstmitarbeiter die Beteiligung als sicher dargestellt, ohne objektive Informationen über die Bonität der Frankonia Sachwert AG zu besitzen. Außerdem hat er nicht über die Nachschusspflicht und über das Totalverlustrisiko informiert.